Ferngläser für Jäger – Ansprechen, Beobachten & Ansitz | Alljagd
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Ferngläser für die Jagd – das wichtigste Werkzeug vor dem Schuss

Ein Fernglas gehört zur Grundausstattung jedes Jägers. Bevor die Waffe in die Hand genommen wird, entscheidet das Glas: Ist das Wild ansprechbar? Welches Stück, welches Alter, welche Entfernung? Kein Zielfernrohr ersetzt das Fernglas beim sauberen Ansprechen. Das Sortiment reicht vom kompakten Pirschglas bis zum lichtstarken Dämmerungsfernglas.

Die wichtigsten Kaufkriterien

Vergrößerung und Objektivdurchmesser sind die zwei Grundkennzahlen. Ein 8×42 vergrößert achtfach und hat ein 42mm-Objektiv. Eine höhere Vergrößerung bringt mehr Details, aber ein kleineres Sehfeld und ein unruhigeres Bild bei Bewegung. Ein größeres Objektiv lässt mehr Licht durch – entscheidend bei Dämmerung und trübem Wetter. Welche Kombination für welche Jagdart sinnvoll ist, steht in den Fragen weiter unten.

Linsenvergütung bestimmt wie viel Licht das Glas tatsächlich durchlässt. Fully Multi-Coated bedeutet dass alle Linsenflächen mehrfach vergütet sind – das Maximum an Helligkeit und Kontrast. Bei Dachkantgläsern kommt die Phasenkorrekturbeschichtung dazu: Ohne sie entstehen Lichtphasenverschiebungen im Prisma die Auflösung und Kontrast mindern. ED-Glas reduziert farbige Ränder an Kontrastkanten und liefert farbneutralere, schärfere Bilder – besonders bei Gegenlicht und in der Dämmerung.

Dachkant oder Porro?

Dachkantgläser sind kompakt, schmal und robust – die heute dominierende Bauform bei Jagdgläsern. Sie liegen gut in der Hand und sind weniger anfällig für Feuchtigkeit und Staub. Porroprismagläser haben die Objektive weiter auseinander als die Okulare – dadurch entsteht ein plastischeres, räumlicheres Bild das die Entfernungseinschätzung erleichtert. Sie sind bei gleicher optischer Leistung günstiger herzustellen, aber voluminöser. Für den täglichen Jagdbetrieb sind Dachkantgläser heute die Standardwahl.

Häufige Fragen zu Jagdferngläsern

Die erste Zahl ist die Vergrößerung – 8× bedeutet das Objekt wirkt achtmal näher. Die zweite Zahl ist der Objektivdurchmesser in Millimetern. Ein größeres Objektiv lässt mehr Licht durch und liefert bei Dämmerung ein helleres Bild. Ein 8×42 ist der klassische Allrounder für die Jagd. Ein 8×56 ist schwerer aber deutlich lichtstärker und für den Dämmerungsansitz geeignet. Ein 10×42 vergrößert mehr, hat aber ein kleineres Sehfeld und ist bei schnellen Bewegungen schwerer ruhig zu halten.

Die Dämmerungszahl ist die Wurzel aus dem Produkt von Vergrößerung und Objektivdurchmesser. Ein 8×56 hat eine Dämmerungszahl von √(8×56) = 21,2. Je höher die Zahl, desto besser die theoretische Dämmerungsleistung. Als Faustregel gilt: Ab einer Dämmerungszahl von 17 ist ein Fernglas für die Dämmerungsjagd geeignet, ab 20 sehr gut. Die tatsächliche Helligkeit hängt aber auch stark von der Vergütungsqualität ab – ein schlecht vergütetes Glas mit hoher Dämmerungszahl kann schlechter sein als ein gut vergütetes Glas mit niedrigerer Zahl.

Bei Dachkantprismen wird das Licht mehrfach umgelenkt. Dabei entstehen Phasenverschiebungen der Lichtwellen die ohne Korrektur Auflösung und Kontrast mindern. Eine Phasenkorrekturbeschichtung auf dem Prisma gleicht diese Verschiebung aus. Hochwertige Dachkantgläser haben sie, günstige oft nicht. Wer ein Dachkantglas kauft, sollte darauf achten – bei Porroprismagläsern ist die Phasenkorrektur nicht nötig da das Prismasystem anders funktioniert.

ED steht für Extra-low Dispersion. Normales Glas bricht unterschiedliche Lichtfarben leicht verschieden stark – das erzeugt farbige Ränder an Kontrastkanten, besonders sichtbar bei Gegenlicht oder dunklem Wild vor hellem Himmel. ED-Glas reduziert diesen Effekt erheblich und liefert farbneutralere, schärfere Bilder. Der Aufpreis lohnt sich besonders für Jäger die viel in der Dämmerung beobachten oder auf weiten Flächen ansprechen. Für den normalen Waldrevier-Jäger mit kurzen Distanzen ist der Unterschied geringer.

Für die Pirsch: leicht und kompakt, 8×42 ist ideal – ausreichend Vergrößerung, gutes Sehfeld, nicht zu schwer bei langen Märschen. Für den Dämmerungsansitz: lichtstärker, 8×56 oder 10×50 – mehr Objektivdurchmesser für hellere Bilder bei schlechtem Licht. Für die Drückjagd: robustes 8×42 mit weitem Sehfeld – schnell bewegende Stücke brauchen Übersicht, nicht maximale Vergrößerung. Für offenes Gelände und Gebirgsjagd: 10×42 oder 10×50 für mehr Detailerkennung auf weite Distanzen.

Linsen nie mit Papiertüchern oder rauem Stoff wischen – das erzeugt Kratzer. Zuerst mit einem Blasebalg groben Staub entfernen, dann mit einem Mikrofasertuch und spezieller Linsenreinigungslösung säubern. Das Fernglas nach dem Einsatz in der Schutztasche transportieren. Bei Kälte das Glas nicht direkt in warme Räume bringen – langsam auf Raumtemperatur kommen lassen um Kondensation in der Optik zu vermeiden. Stickstoffgefüllte Gläser beschlagen innen nicht – ein Qualitätsmerkmal das sich über viele Jahre auszahlt.

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